Stress & Gehirnorganisationsprofile

Stress & Gehirnorganisationsprofile

Mein erster Auftritt als Sprech- und Stimmtrainerin war für mich eine emotionale Katastrophe. Ich hatte mich bei einem Elevator Pitch angemeldet, da ich dachte, dass dies zu meinem Metier dazugehöre. Dieser  Auftritt sollte meinem frisch gegründeten Unternehmen zu mehr Bekanntheit verhelfen.
Mit Singen und Musizieren vor Publikum hatte ich von Kindesbeinen an keine Schwierigkeiten.
Doch jetzt, im Rahmen dieses Wettbewerbs vor 200 Zuhörern und einer Jury sich zu präsentieren und dies noch bei drei Minuten Sprechzeit und anschließender zweiminütigen Fragerunde, bereitete mir enormen Druck.
Zwei Wochen vor dem Auftritt machte ich mich bereits verrückt: ich übte den Text auswendig, sprach ihn sogar mit Ablenkern (Radio), stoppte die Zeit, filmte mich.
Dann kam der große Tag. Ich war aufgeregt und es war mir anzumerken. Ich hatte schweißnasse Hände, mein Gesicht wirkte versteinert und auf die Fragen der Jury antwortete ich mechanisch.
Monate später traute ich mich die Videoaufnahme  anzusehen, um festzustellen, dass mein Auftritt passabel war. Er war keinesfalls so schlimm, wie ich ihn empfunden hatte.
Eines hatte ich bei meinen Vorbereitungen nicht beachtet: mein Lernprofil/ Dominanzprofil.
Da meine rechte Hirnhälfte dominant ist, fällt im nicht integrierten Zustand meine linke Gehirnhälfte aus. Menschen bei denen dies so ist, wirken unter Umständen emotional weggetreten, können sich nicht an Details erinnern und sich nur schwer ausdrücken (siehe Blog-Artikel Dezember 2016).
Menschen mit dominanter Logikhemisphäre (linke Hirnhälfte) können unter Stress einen mechanischen, angespannten und unsensiblen Eindruck hinterlassen.
Das Gehirn folgt einem Überkreuzmuster: so steuert die linke Hemisphäre die rechte Körperhälfte und umgekehrt werden alle sensomotorischen Funktionen der linken Körperhälfte von der rechten Hemisphäre gesteuert. Wir haben aber nicht nur eine dominante Gehirnhälfte, sondern auch ein dominantes Auge und Ohr, eine dominante Hand und einen dominanten Fuß. Daraus ergeben sich 32 verschiedene Gehirnorganisationsprofile. Das Wahrnehmungsorgan/ Körperteil, welches der dominanten Gehirnhälfte gegenüber liegt, ist auch unter Stress gut zugänglich.
Zur Erklärung möchte ich von den 32 Profilen zwei Beispiele herausheben:

Beispiel-Profil (grünes Männchen)

Ein Mensch, mit dominanter Logikhemisphäre (linke Hirnhälfte) bei dem Auge, Ohr, Hand und Fuß gegenüber liegen, lernt gut durch die Fokussierung auf Details, verarbeitet linear und kann Informationen gut über das Hören aufnehmen. Er sieht den Lehrer an , wenn dieser spricht und kann das Gelernte linear und logisch widergeben. Unter Stress fällt es ihm unter Umständen schwer den Überblick zu behalten. Schüler mit diesem Profil bekommen in der Schule mehr Anerkennung, wodurch ihr Selbstbild gestärkt wird.

Beispiel-Profil (blaues Männchen)

Anders sieht es bei Menschen mit dominanter Gestalt-Hemisphäre (rechte Hirnhälfte) aus, bei denen z.B. nur der Fuß gegenüber liegt. Sie lernen gut durch Bewegung und Konzentration auf den Gesamteindruck. Um Informationen zu verarbeiten müssen Sie sich bewegen, bei möglichst wenig äußeren Reizen. Unter Stress haben Sie möglicherweise Schwierigkeiten, zu kommunizieren, zuzuhören, zu sehen und sich zu erinnern. Sie haben einen Gesamteindruck ohne sich an Einzelheiten zu erinnern.
Kinder mit diesem Profil haben es in der Schule besonders schwer!!! Aufgrund ihres Bewegungsdrangs können sie fälschlicherweise als hyperaktiv eingestuft werden. Unter Stress können solche Menschen ein komplettes Blackout erleben. Allein die Erkenntnis, dass unser Lernsystem (Schule/ Universität) den meisten Menschen didaktisch nicht gerecht wird, stellt eine Entlastung für einen Großteil meiner Klienten dar und bietet Erleichterung und Hilfe. Albert Einsteins Leben und seine Art zu lernen zeigte sich in dem beschriebenen Lernprofil.
Allein dieses Wissen und das Kennen der eigenen Lernstrategie, können bereits zu ersten Erfolgen führen.
Zusätzlich unterstützen Übungen zur Gehirnintegration (Brain Gym®, Brain Energy) das Lernen bzw. den Umgang mit anspruchsvollen Situationen und Stress.
Die bekannteste Übung aus dem Brain Gym® sind die Überkreuzbewegungen. Im Stehen bewegt sich die rechte Hand zum linken Knie und die linke Hand zum rechten Knie im Wechsel. Das Ganze kann man variieren, indem man den Fuß berührt oder den Arm streckt, das Tempo zwischen schnell und langsam wechselt.
Da meine Routine mehr im Einzelcoaching lag, wollte ich mich darin üben Vorträge vor Publikum zu halten. Nur diesmal nicht im Rahmen eines Wettbewerbs, sondern vor einer kleinen Gruppe mir wohlgesonnener Kollegen. Es schien mir vernünftiger, die Anforderungen und Ziele nicht zu hoch zu stecken. Wenige Wochen vor meinem Vortrag bekam ich einen Anruf vom Planungsbüro: Es hätten sich 198 Interessierte zu meinem Vortrag angemeldet. Ich atmete tief durch und freute mich gleichzeitig, dass mein Thema „Schlau durch Bewegung“ so viel Anklang fand.
Während des Vortrags fühlte ich mich wohl, war ansprechbar, konnte mich gut konzentrieren und bekam hinterher viele positive Rückmeldungen. Ein bisschen aufgeregt war ich schon, aber dies ist ganz normal.

Möchten Sie noch mehr interessante Inhalte zum Thema Stimme und Wohlbefinden erhalten?

Gerne können Sie sich zu meinem Newsletter anmelden:

www.stimmtraining-kinesiologie.de/newsletter/

Wir halten uns an den Datenschutz: Ihre Adresse speichern wir nur zum eigenen Kontakt mit Ihnen. Sie können sich jederzeit mit nur einem Klick aus dem Verteiler austragen.

Ähnliche Beiträge

No results found

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü