Monat: Juni 2017

Lügen, Klänge und Gesänge – Was macht eine wahre Stimme aus?

Mentale Kommunikation

„Wenn die Stimme zum Sprechen benutzt wird, werden die Unterhaltungen in der Regel nichtssagender, überflüssiger und weniger inspiriert. Die Stimme ist zum Singen geschaffen, zur Lobpreisung der göttlichen Einheit und zum Heilen“. Zitat aus dem Buch Traumfänger von Marlo Morgan. Marlo Morgan beschreibt in dem Buch ihre Erlebnisse bei einem australischen Aborigines Stamm. Die Stammesmitglieder, besaßen die Fähigkeit der mentalen Kommunikation.

Sich ohne Worte, nur über Gedanken zu verständigen, ist für uns befremdlich. Voraussetzung für diese Art der Kommunikation ist, so Morgan, mit seinen Gedanken und seinem Herzen im Reinen zu sein. Dies setzt viel Ehrlichkeit sich und anderen Menschen gegenüber voraus.

 

Umsatz vor Ehrlichkeit

Auf einer Messe fragt mich ein Bankangestellter, was einen guten Sprecher ausmache. Ich antwortete: „Ehrlichkeit“. In seinem Gesicht stand Enttäuschung und Verwunderung geschrieben.

Wozu Ehrlichkeit? Und dies, wo es um Umsatz, Verkauf und Erfolg geht. Besonders im Wirtschaftsleben. Dies erreicht man über eine perfekt antrainierte Sprechweise und Körpersprache und ausgefeilte Rhetorik.

Doch ist es unser Ziel getäuscht zu werden oder Andere zu täuschen?

 

Die Rede des Präsidenten

Der Neuropsychologe Oliver Sacks beschreibt in seiner Geschichte „Die Ansprache des Präsidenten“ die Reaktion von Aphasikern, d.h. von Menschen deren Sprachzentrum aufgrund einer Hirnschädigung beeinträchtigt ist, auf eine Rede des damaligen Präsidenten Reagan im Fernsehen.  Bei einer schweren Aphasie, ist der Mensch nicht in der Lage das gesprochene Wort zu verstehen. Um sich dennoch mit seinen Mitmenschen austauschen zu können, ist er darauf angewiesen den visuellen Kanal, wie z.B. Mimik, Gestik, Körperhaltung und die „spontane unwillkürliche Ausstrahlung“ vermehrt zu nutzen. Ein feines Gehör entwickeln diese Menschen für „jede stimmliche Nuance, für den Tonfall, den Rhythmus, die Hebungen und Senkungen, die Satzmelodie…“.

Laut Oliver Sacks ist es praktisch unmöglich diese Menschen zu belügen. Da Oliver Sacks Patienten sich vom Präsidenten nicht täuschen ließen, ertönte auf der Aphasie Station schallendes Gelächter.

 

Manipulation und Täuschung entlarven

Was passiert, wenn wir nur auf die Stimme eines Menschen achten und dabei dem Inhalt keinerlei Aufmerksamkeit schenken? Ist der Sprecher im Einklang mit sich und dem was er sagt?

Wie kann ich mich persönlich vor Täuschung, Manipulation und substanzlosen Inhalten schützen? Eine Methode besteht darin, Werbeanzeigen und Videos ohne Ton anzuhören und dabei die Gestik und Mimik, sowie die gesamte Ausstrahlung zu betrachten. Als nächsten Schritt können Sie die Augen schließen und lediglich der Stimme lauschen. Was sagt Ihnen diese Stimme, unabhängig vom Inhalt?

 

„Stimme ist Ausdruck einer lebenslang gewachsenen Persönlichkeit“ (Isa Alvermann)

Nun gibt es Menschen, die wertvolle Inhalte bieten, aber dennoch beim Zuhörer kein Gehör finden. Dies ist mehr als schade. Ursachen, warum das Publikum aussteigt, können typische Sprechfehler sein, da das Zuhören zu anstrengend ist. Zu diesen Fehlern gehören: häufiges Räuspern, undeutliche Aussprache, zu schnelles Sprechtempo, monotoner Stimmklang, schrille Stimme…

 

Dabei werden wir mit einer unglaublichen Stimmkompetenz geboren. Babys können ganze Nächte durchschreien, ohne heiser zu werden. Diese unglaubliche Stimmkompetenz geht uns im Erwachsenenalter verloren. Die Gründe hierfür können Verspannungen, innere Blockaden, übernommene Sprechweise von Vorbildern, negative Beurteilungen Anderer bezüglich unserer Stimme sein.

Atem-, Entspannungs- Stimm- und Sprechübungen können helfen sich von erlernten Mustern zu trennen.

Unsere Stimme transportiert nicht nur Inhalte, sondern auch Emotionen, bis hin zu unserer ganzen Lebensgeschichte. Es kann Situationen im Leben gegeben haben, die uns die Stimme verschlagen oder die Kehle zugeschnürt haben oder in denen wir nach Luft ringen mussten. Der Kinesiologe Dr. Klinghardt spricht hierbei von einem unerlösten seelischen Konflikt (USK). Dieser liegt vor, „wenn das Vertraute, das im Leben abläuft, oder das, was fest erwartet wird, plötzlich durch ein als schockierend empfundenes Ereignis unterbrochen wird…“

Es besteht über das Sprech- und Stimmtraining hinaus, die Möglichkeit an seinen Emotionen zu arbeiten. In den Beratungen kam es bereits häufiger vor, dass an der belastenden vergangenen Situation gearbeitet wurde, und dies positive Auswirkungen auf die eigene Stimme hatte.

Zum Stimmtraining gehört die Unterstützung der ganzen Person.

 

Sich Ausdruck verschaffen

Sich Ausdruck verschaffen, die eigene Stimme zum Klingen bringen, frei und absichtsloses Singen ist leider in unserer Gesellschaft nicht üblich. Meinen wir ein Superstar sein zu müssen? Oder haben wir Angst ausgelacht zu werden?

Über Sprech- und Stimmtraining lernen wir unsere Atmung zu regulieren. Dadurch können wir Stress reduzieren.

 

Die Kraft und Magie der Stimme wussten bereits die Sklaven auf den Baumwollplantagen zu nutzen. Mit Hilfe ihres Gesangs konnten sie ihren Emotionen Ausdruck verleihen, die Kraft der Gemeinschaft stärken und es erleichterte ihnen die schwere Arbeit.

Leider nutzen wir in unserer Kultur kaum Gesang als Ausdrucksmittel. Sich Luft zu verschaffen, die eigene Stimme erklingen lassen, dabei seinen Körper zu spüren, kann sich wohltuend und heilend auf uns auswirken.

Stimme ist mehr als andere zu überzeugen. Stimme bedeutet im Einklang mit sich und der Welt zu sein: stimmig sein.

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