Monat: Februar 2017

Erfolgsfaktor Stimmtraining – So vermeiden Sie Fehler beim Sprechen

 

Erfolgsfaktor Stimmtraining

Sie sitzen in einem Vortrag. Das Thema interessiert Sie brennend. Der Referent ist eine gefragte Fachkraft auf seinem Gebiet und hat bereits mehrere gut lesbare Bücher publiziert und dennoch… Nach drei Minuten bemühtem Zuhören lässt bereits Ihre Konzentration nach. Einzelne Rufe aus dem Publikum „Lauter“ sind zu hören. Der Referent geht näher ans Mikrofon, räuspert sich, spricht lauter. Dennoch bleibt es für Sie mühsam seinen Inhalt zu folgen. In den seltensten Fällen ist die Lautstärke entscheidend ob jemand gut oder schlecht verstanden wird. Ob uns jemand gerne zuhört oder nicht hängt von vielen Faktoren ab. Folgende typische Fehler sollte man vermeiden:

Sprechen mit zu viel Druck:

Bei Stress oder Aufregung ist die Gefahr groß, dass wir unsere mittlere Sprechstimmlage, unsere „Wohlfühlstimme“  verlassen und mit mehr Druck sprechen. Dieser Druck führt dazu, dass der Geräuschanteil in der Stimme zunimmt, die Stimme dumpf und undeutlich rüberkommt, bis hin zum häufigen Räusperzwang. Durch Räuspern wird der Inhalt des Gesagten unangenehm unterbrochen und hat eine aggressive Note. Ebenso kann sich unter Druck – meist bei Frauen –  die Stimmlage erhöhen und die Stimme  klingt schlimmstenfalls kreischig.

Unangemessenes Sprechtempo:

Zu schnelles oder zu langsames Sprechen kann entweder hektisch oder monoton wirken. Auch sollte das Sprechtempo zu der Klangfarbe der Stimme passen. Ein langsames Sprechtempo wird vom Zuhörer eher mit fachlicher Kompetenz in Verbindung gebracht, als eine schnelle Redeweise. Eine langsame Sprechweise kombiniert mit einer dunklen Stimme, kann jedoch gelangweilt und monoton wirken. Bei einer hellen Stimme ist dies jedoch genau umgekehrt: wird diese mit einem hohen Sprechtempo kombiniert, wirkt sie eher hektisch und aufgeregt. Wird das Tempo variiert, so kann dies für erhöhte Aufmerksamkeit und Spannung sorgen, sollte aber dem Inhalt des Gesagten angepasst sein.

Zu wenig Pausen:

Der Zuhörer sollte Zeit haben das Gesagte zu verarbeiten.

Aus der Gehirnforschung ist bekannt, dass mehr als 7 bis 15 sprachliche Einheiten – hintereinander gesprochene Wörter ohne zu atmen – von 50 Prozent der erwachsenen Zuhörer nicht aufgenommen werden. Diese sprachlichen Einheiten steuert man mittels der Atmung. Ähnlich wie bei einem Blasebalg, sollte, nach dem Ausatmen,  die Luft von alleine, in unseren Körper einströmen. Diese physiologische Atmung, auch reflektorische Atemergänzung genannt, hat den Vorteil, dass Sie zu einer entspannten Grundhaltung beiträgt und gleichzeitig unser Gehirn mit Sauerstoff versorgt.

Undeutliche Artikulation:

Wir sind es gewohnt weiche Nahrung zu essen und im Alltag unsere Zähne zusammenzubeißen. Oftmals ist unsere Mundmuskulatur untrainiert oder wir trauen uns nicht unseren Mund weit zu öffnen. Für eine gute Artikulation sind jedoch eine weite Mundöffnung und eine deutliche Bildung der einzelnen Vokale und Konsonanten von Bedeutung.

 „Es ist hauptsächlich der Klang der Stimme, welche an den Frauen für mich entscheidend ist, und ich erkenne ein wahrhaft schönes und gutes Frauenherz fast augenblicklich daran.“ (Gottfried Keller)

Was nutzt ein schönes Kostüm bei einer piepsigen Stimme oder die Designerkrawatte bei einem poltrigen Stimmklang? In den ersten 20 Sekunden einer Begegnung machen wir uns bereits ein Bild von unserem Gegenüber. Dabei wird dem äußeren Erscheinungsbild die größte Bedeutung beigemessen, gefolgt von der Stimme. Der Inhalt des Gesagten ist für den Ersteindruck von geringer Bedeutung. Innerhalb von kürzester Zeit, besonders am Telefon wenn das äußere Erscheinungsbild wegfällt,  machen wir uns ein Bild über Alter, Geschlecht, Charakter, Bildung, Gesundheitszustand und regionale Herkunft unseres Gesprächspartners.

„Die Stimme ist viel größer als die visuelle Erscheinung eines Menschen.“(Rufus Beck)

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale kommen in bestimmten Stimmeigenschaften zum Ausdruck. Umgekehrt kann es vorkommen, dass die Stimmeigenschaft die Persönlichkeit formt. Scherer (1979, S.199) macht auf die sich selbst erfüllende Prophezeiung (Self-fulfilling prophecy) aufmerksam, „dass Menschen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale deshalb erwerben, weil andere diese Züge an ihnen aufgrund ihrer Sprechweise vermuten.“

Nehmen wir als Beispiel eine Frau mit einer piepsigen Stimme. Aufgrund der Wirkung ihrer Stimme wird sie – trotz angemessenen kommunikativen Verhaltens- zunehmend in die Klein-Mädchen-Rolle gedrängt.

„Es liegt nicht weniger Beredsamkeit im Ton der Stimme, in Auge und Blick als in der Wahl der Worte.“ (La Rochefoucauld.)

Stimme ist mehr als Sprache. Den Inhalt nehmen wir größtenteils über unsere Logikhemisphäre (üblicherweise linke Gehirnhälfte) auf, während wir Stimmklang, Betonung, Intonation und emotionaler Ausdruck mit unserer Gestalthemisphäre (rechte Gehirnhälfte) verarbeiten. Folglich sollte bei Vorträgen, Reden und Präsentationen eine Stimmigkeit zwischen Mimik, Stimmklang und Sprache bestehen. Ist dies nicht der Fall, vertrauen die Zuhörer der Mimik und der Stimme und weniger den Worten. Äußere ich verbal „Ich finde Sie nett“, habe aber keinen Blickkontakt und ziehe die Augenbrauen zusammen (Mimik), spreche laut und poltrig (Stimme) bewirken die Worte nichts.

„Stimme ist Ausdruck einer lebenslang gewachsenen Persönlichkeit.“(Isa Alvermann)

Was viele nicht wissen ist, dass Stimme und Sprechweise trainiert werden können. Seine Stimme sollte man dabei nicht verstellen. Nichts klingt unsympathischer als eine aufgesetzte Stimme.

Übungen

So nehmen Sie den Druck aus der Stimme:

Setzen Sie sich bequem hin. Optimal ist es, wenn Sie mit den Füßen einen guten Bodenkontakt haben und Ihre Sitzhöcker (die härteste Stelle am Gesäß) spüren, sodass Ihre Bauch-, Brust- und Rückenmuskulatur optimal für die Atmung genutzt werden kann. Legen Sie Ihre Hände auf die Bauchdecke. Nehmen Sie Ihre Atembewegung wahr.  Entspannen Sie Ihre Schultern. Nehmen Sie wahr, wie Ihre Muskulatur sich entspannt. Wenn Sie so entspannt sitzen, fangen Sie an langsame weiche Kaubewegungen nachzuahmen. Stellen Sie sich vor einen schmackhaften Bissen im Mund zu haben. Begleiten Sie Ihr Kauen mit Silben z.B. – mom – mjam. Experimentieren Sie mit verschiedenen Silben und Lauten.

Lauschen Sie Ihre Stimme. Was hat sich geändert?

Gefühl für das eigene Sprechtempo entwickeln:

Setzen Sie sich, wie bereits oben beschrieben, hin. Legen Sie Ihre Hände auf die Bauchdecke. Nehmen Sie die Abwärts- und Aufwärtsbewegung bei der Aus- und Einatmung wahr. Sprechen Sie eine Textstelle übertrieben langsam und lassen Sie sich Zeit bis die Luft wie von selbst in Ihren Bauch strömt. Sprechen Sie den gleichen Text übertrieben schnell. Spielen Sie mit unterschiedlichen Tempi. Beobachten Sie was sich ändert. Zur Kontrolle ist eine Sprachaufnahme hilfreich.

Physiologische Atmung/Reflektorische Atemergänzung:

Machen Sie die gleiche Übung wie zuvor, jedoch drücken Sie beim Sprechen einen weichen Ball zusammen oder ziehen Sie mit beiden Händen ein Gummiband auseinander. Sobald Sie aufhören zu sprechen, entspannen Sie Ihre Hand oder lockern Sie das Gummiband.

Deutliche Artikulation:

Öffnen Sie Ihren Mund: Massieren Sie Ihr Kiefergelenk. Machen Sie Ihren Mund langsam auf und zu. Wie weit können Sie ihn öffnen. Beim Vokal „a“ sollten 1-2 Finger zwischen die Zahnreihen passen und beim Laut „i“ der kleine Finger. Sprechen Sie und achten Sie dabei auf den Abstand Ihrer Zähne.

Möchten Sie noch mehr interessante Inhalte zum Thema Stimme und Wohlbefinden erhalten?

Gerne können Sie sich zu meinem Newsletter anmelden:

www.stimmtraining-kinesiologie.de/newsletter/

Wir halten uns an den Datenschutz: Ihre Adresse speichern wir nur zum eigenen Kontakt mit Ihnen. Sie können sich jederzeit mit nur einem Klick aus dem Verteiler austragen.

Weiterlesen
Menü