Monat: Dezember 2016

Auftrittsangst “Lampenfieber” – Auswirkungen unserer Gehirndominanz

Premiere in der Mailänder Skala: Ein junger Tenor hat seinen ersten Auftritt. Die Nervosität ist ihm deutlich anzumerken. Mitfühlend beobachtet ihn die erfahrene Primadonna. Nun ist ihr Einsatz. Sie betritt die Bühne, doch sie hat – vor lauter Empathie – ihren eigenen Text vergessen. Der Dirigent gibt ihr den Einsatz und sie fängt an zu Singen. Sie singt die Melodie mit Leidenschaft, der Text bestehend aus einer beliebigen Aneinanderreihung von Konsonanten und Vokalen. Am Ende der Vorstellung erhält sie ein Lob vom Konzertmeister: „Sie haben wunderschön gesungen, jedoch, ich habe kein Wort verstanden.“

Diese Geschichte erzählte mir die Mutter meiner Gesangslehrerin schmunzelnd.

Welch eine Leistung! Die Situation so zu nehmen wie sie ist und das Beste daraus zu machen, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen.

Sicherlich hatte jeder von uns schon mal ein Blackout. Ungünstig ist es, wenn dies gehäuft oder immer wieder in bestimmten Situationen auftritt, sei es bei Prüfungen, wichtigen Gesprächen oder sogar einem öffentlichen Auftritt.

Wie wir auf Stress reagieren ist abhängig von unserer Gehirndominanz

Unser Gehirn besteht bekanntlich aus zwei Hirnhälften, die in der Mitte durch ein Bündel von Nervenfasern, den Balken = Corpus Callosum miteinander verbunden sind. Die Logikhemisphäre (meist links)  ist u.a. für Details und Teilaspekte zuständig, z.B. einzelne Buchstaben, Zahlen, Rechtschreibung und Analyse. Die Gestalthemisphäre (meist rechts) arbeitet mit Bildern, Rhythmus, Emotionen und Intuition.
Jeder Mensch kommt mit einer „dominanten“ Hirnhälfte zur Welt.

Je nachdem wo die Dominanz liegt, liegen auch unsere Stärken und Schwächen. Eine Person mit einer dominanten Logikhemisphäre verarbeitet Informationen vom Detail zum Ganzen, schaut dabei auf Unterschiede, denkt analytisch und hat u.a. ein gutes Zeitgefühl. Menschen mit einer dominanten Gestalthemisphäre verarbeiten Informationen „vom Ganzen zu den Teilen“, d.h. sie müssen sich zuerst einen Überblick verschaffen bevor sie ins Detail gehen. Diese Menschen sind gegenwartsorientiert, arbeiten mit Intuition, …

Im gut integrierten Zustand arbeiten beide Hemisphären miteinander. Kommt unser Gehirn in Stress, schränkt die nicht dominante Hemisphäre ihre Funktion ein. Es findet kaum noch Kommunikation zwischen den Gehirnhälften statt.

Eine Person mit dominanter Logikhemisphäre kann unter Umständen angespannt, unsensibel und mechanisch wirken. Ebenso kann solch eine Person wenig Verständnis für sein Gegenüber empfinden.

Unter Stress können Menschen mit dominanter Gestalthemisphäre emotional weggetreten wirken. Logisches Denken und Argumentieren ist ihnen nicht möglich, auch handeln sie oftmals in solchen Situationen ohne zu überlegen.

Unser Schulsystem ist überwiegend auf Schüler mit dominanter Logikhemisphäre  ausgerichtet, dennoch kann man nicht sagen, dass die eine Hirndominanz  besser als die Andere sei.
linkshemsiphaerischgehirndominanz
Auch wird deutlich, dass es aufgrund der unterschiedlichen Gehirndominanz schnell zu Missverständnissen kommen kann, wenn z.B. einer der Partner „weggetreten“ und der Andere „gefühlskalt“ unter Stress wirkt. Jede Gehirndominanz hat ihre eigene Qualität, die jeder für sich, z.B. bei der Lernstrategie, nutzen kann. Im gut integrierten Zustand sind beide Hemisphären aktiv.

Über Bewegung können wir unser Gehirn und damit den Umgang mit „Stress“ trainieren. Die rechte Gehirnhälfte steuert unsere linke Körperhälfte und die linke Gehirnhälfte unsere rechte Körperhälfte.  Ideal sind Brain Gym® Übungen, sowie Brain Energy Übungen. Dies sind Übungen mit denen über Bewegung oder über die Massage von Energiepunkten (Brain Gym®) unser Gehirn aktiviert wird.
_nhf6410
Dabei wird mittels Überkreuzbewegung  die rechts-links-Koordination gefördert, sodass beide Gehirnhälften aktiv angesprochen werden. Die neuronale Vernetzung im Corpus Callosum – Balken – wird ausgebaut und die Kommunikation zwischen den Gehirnhälften verbessert. Bildlich gesprochen: aus einem Trampelpfad entsteht eine Autobahn. Diese Übungen sind für Menschen jeden Alters geeignet.

Mein Tipp: Machen Sie etwas, was ihr Gehirn nicht gewohnt ist: schreiben oder malen Sie z.B. mit Ihrer nicht dominanten Hand (d.h. als Rechtshänder benutzen Sie die linke Hand und umgekehrt). Gebrauchen Sie beim Sport, Ihren nicht dominanten Fuß z.B. beim Fußball, oder Ihre nicht dominante Hand beim Dribbeln, Tennis- oder Federballspiel. Es ist nicht nur ein gutes Training, sondern macht auch Spaß. Und am Meisten lernen wir, wenn es uns Freude bereitet.

Singen ist ebenso ein ideales Training für unser Gehirn. Beim Singen laufen viele Prozesse parallel. Fast das ganze Gehirn ist aktiv. Vielleicht ein Grund, warum die Primadonna die Situation so gekonnt meisterte.

Neben einer dominanten Hirnhälfte hat jeder Mensch auch ein dominantes Ohr und Auge, sowie einen Fuß und eine Hand. Daraus ergeben sich 32 unterschiedliche Lernprofile. Mehr dazu erfahren Sie in meinem nächsten Blogartikel.

Möchten Sie noch mehr interessante Inhalte zum Thema Stimme und Wohlbefinden erhalten?

Gerne können Sie sich zu meinem Newsletter anmelden:

www.stimmtraining-kinesiologie.de/newsletter/

Wir halten uns an den Datenschutz: Ihre Adresse speichern wir nur zum eigenen Kontakt mit Ihnen. Sie können sich jederzeit mit nur einem Klick aus dem Verteiler austragen.

Weiterlesen
Menü